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Loslassen im Herbst: 15 Journalingfragen für deine persönliche Reflexion

Der Herbst erinnert uns jedes Jahr an etwas, das uns Menschen oft unglaublich schwerfällt: loszulassen.

Wir halten an Menschen fest, an Plänen, Erwartungen oder an einer Vorstellung davon, wie unser Leben eigentlich aussehen sollte. Und während wir noch überlegen, ob wir wirklich bereit sind, etwas gehen zu lassen, macht es uns die Natur längst vor. Die Bäume lassen ihre Blätter fallen und zwar nicht, weil sie aufgegeben haben, sondern im tiefen Vertrauen darauf, dass im Frühling wieder neues Leben erwachen und wachsen wird. Sie wissen nicht, wie dieser Frühling aussehen wird und dennoch halten sie nicht an jedem einzelnen Blatt fest.

Vielleicht ist genau das die schönste Botschaft des Herbstes: Loslassen bedeutet nicht immer, etwas zu verlieren. Es kann auch heißen, Raum für etwas Neues zu schaffen, selbst wenn du noch nicht weißt, was daraus entstehen wird.


Was Loslassen wirklich bedeutet

Wenn wir über loslassen sprechen, hört es sich oft viel leichter an, als es sich tatsächlich anfühlt. „Lass es doch einfach los.“ „Denk nicht mehr darüber nach.“ „Schau nach vorne.“ Solche Sätze sind schnell gesagt. Doch wenn uns etwas wirklich beschäftigt, wenn Gefühle, Erinnerungen oder Hoffnungen daran hängen, dann funktioniert das Loslassen eben nicht einfach auf Knopfdruck.

Und vielleicht müssen wir genau deshalb erst einmal verstehen, was Loslassen wirklich bedeutet.

Denn Loslassen heißt nicht, dass dir etwas plötzlich egal sein muss. Es bedeutet auch nicht, dass du vergessen sollst, was passiert ist, du deine Gefühle zur Seite schieben oder einen Menschen einfach aus deinem Herzen streichen musst.

Für mich bedeutet loslassen vielmehr, anzunehmen, dass etwas gerade so ist, wie es ist. Gleichzeitig schaue ich liebevoll hin und mich zu fragen: Wie viel Raum möchte ich diesem Thema in meinem Leben weiterhin geben?

Vielleicht geht es bei dir um eine Vorstellung davon, wie dein Leben eigentlich aussehen sollte. Möglicherweise hältst du an einer Entscheidung fest, die du heute anders treffen würdest. Vielleicht sind es Erwartungen an dich selbst, die längst nicht mehr zu der Person passen, die du heute bist. Oder du merkst, dass deine Gedanken immer wieder zu einer Situation zurückkehren, obwohl du sie im Moment gar nicht verändern kannst.

Loslassen beginnt für mich deshalb nicht mit einem radikalen Schlussstrich. Sondern mit einem Moment des Innehaltens. Mit ehrlichem Hinschauen und vielleicht auch mit ein bisschen Mut, dir selbst Fragen zu stellen, deren Antworten du noch gar nicht kennst.

  • Was trage ich gerade noch mit mir herum?
  • Warum halte ich daran fest?
  • Was davon gehört vielleicht zu einer alten Version von mir?
  • Was möchte ich nicht länger mit auf meinen Weg nehmen?

Du musst darauf nicht sofort eine Antwort haben. Manchmal beginnt Loslassen schon damit, überhaupt wahrzunehmen, was da ist.

Und genau dafür finde ich den Herbst so wunderschön. Denn während wir Menschen uns mit dem Loslassen manchmal ziemlich schwertun, macht uns die Natur jedes Jahr vor, wie selbstverständlich Veränderung sein darf.


Warum der Herbst ideal zum Loslassen ist

Im Herbst können wir Veränderung überall um uns herum beobachten. Die Tage werden kürzer, draußen wird es langsam ruhiger und auch wir verbringen wieder mehr Zeit zu Hause. Während der Sommer oft voller Aktivitäten, Erlebnisse und Trubel steckt, lädt uns der Herbst dazu ein, selbst ein wenig ruhiger zu werden und den Blick wieder mehr nach innen zu richten.

Und gleichzeitig macht uns die Natur direkt vor unserer Haustür etwas Wunderschönes vor: Loslassen im Vertrauen darauf, dass wieder etwas Neues entstehen wird.

Ein Baum fragt sich schließlich auch nicht bei jedem Blatt: „Vielleicht brauche ich dich im Dezember doch noch.“ Er lässt los. Im tiefsten Vertrauen darauf, dass nach Herbst und Winter irgendwann wieder der Frühling kommt und etwas Neues erblühen darf.

Natürlich funktioniert unser Innenleben nicht ganz so einfach. Trotzdem liebe ich dieses Bild, weil es uns daran erinnert, dass auch wir nicht alles für immer festhalten müssen. Wir dürfen uns erlauben loszulassen, was uns nicht mehr guttut.

Eine alte Version von dir, kann dich bis hierher begleitet haben und trotzdem nicht mehr zu deinem heutigen Leben passen. Ein Wunsch darf einmal dein größter Traum gewesen sein und sich heute verändern. Und eine Erfahrung darf dich geprägt haben, ohne deinen weiteren Weg bestimmen zu müssen.

Vielleicht ist genau dieser Herbst deine Einladung, einmal liebevoll hinzuschauen: Was möchte ich nicht länger mit mir herumtragen und was darf ich vertrauensvoll loslassen?


Journaling und die Power des Aufschreibens

Und genau hier kommt eine meiner absoluten Lieblingsmethoden ins Spiel: Journaling.

Ich liebe Journaling, weil unsere Gedanken im Kopf gerne ihre Extrarunden drehen. Wir denken über eine Situation nach, kommen vielleicht kurz zu einer Erkenntnis und wenig später beginnt das Gedankenkarussell wieder von vorne.

Beim Schreiben passiert etwas anderes: Du holst deine Gedanken aus deinem Kopf und bringst sie aufs Papier.

Und genau darin liegt für mich die Power des Aufschreibens. Du kannst deine Gedanken sortieren, tiefer eintauchen und Zusammenhänge erkennen, die dir vorher vielleicht gar nicht bewusst waren. Gleichzeitig schenkst du dir einen Moment, in dem es nur um dich und das geht, was gerade in dir los ist. Dabei gibt es beim Journaling kein Richtig oder Falsch. Du brauchst keine perfekten Antworten und musst auch keine wunderschönen Seiten gestalten. Dein Journal darf ein Ort sein, an dem du einfach ehrlich sein kannst. Schreib los, ohne deine Gedanken direkt zu bewerten, und schau neugierig, was dabei entstehen darf.

Gerade beim Loslassen kann Journaling deshalb unglaublich wertvoll sein, denn bevor wir etwas loslassen können, dürfen wir manchmal erst verstehen, warum wir überhaupt noch daran festhalten.

Passend dazu habe ich dir 15 Journalingfragen zum Loslassen mitgebracht, die dich dabei unterstützen dürfen, tiefer hinzuschauen, ehrlich zu reflektieren und herauszufinden, was du in diesem Herbst vielleicht nicht länger mit dir herumtragen möchtest.


Mache es dir gemütlich, schnappe dir dein Journal und vielleicht einen Tee oder Kaffee. Du musst übrigens nicht alle Fragen auf einmal beantworten. Vielleicht suchst du dir intuitiv drei oder vier Fragen aus, die du gerne beantworten möchtest.

Wichtig: Beim Journaln geht es nicht um Perfektionismus, sondern um Ehrlichkeit. Bei der Beantwortung der Fragen gibt es kein richtig oder falsch.

  1. Was möchte ich in diesem Herbst ganz bewusst loslassen?
  2. Was trage ich schon länger mit mir herum, obwohl es mir nicht mehr guttut?
  3. An welcher Situation halte ich fest, obwohl ich sie nicht mehr verändern kann?
  4. Welche Gedanken kehren immer wieder zurück und nehmen mehr Raum ein, als ich ihnen geben möchte?
  5. Welche Erwartungen an mich selbst darf ich langsam loslassen?
  6. Welche Version von mir hat mich lange begleitet, passt aber heute nicht mehr zu mir?
  7. Was fällt mir besonders schwer loszulassen und was könnte dahinterstecken?
  8. Was befürchte ich, könnte passieren, wenn ich wirklich loslasse?
  9. Welche Dinge versuche ich gerade zu kontrollieren, obwohl sie nicht in meiner Hand liegen?
  10. Was darf ich mir selbst vergeben, damit ich leichter weitergehen kann?
  11. Welche Erfahrung möchte ich würdigen, bevor ich sie ein Stück mehr loslasse?
  12. Wofür kann ich dankbar sein, obwohl ich dieses Kapitel hinter mir lassen möchte?
  13. Wenn mein Leben wie ein Baum im Herbst wäre: Welche „Blätter“ dürften jetzt fallen?
  14. Welcher neue Raum könnte entstehen, wenn ich nicht mehr so sehr an Altem festhalte?
  15. Was möchte ich nach diesem Herbst nicht mehr mit in meinen persönlichen „Frühling“ nehmen?

Herzensnotiz: Vielleicht wirst du beim Schreiben feststellen, dass eine einzige Frage plötzlich eine ganze Seite füllt. Dann bleib genau dort. Du musst die Liste nicht abarbeiten. Journaling darf dich dorthin führen, wo es für dich gerade etwas zu entdecken gibt.


🪩 Kleiner Coaching Impuls für deinen Herbst 🍂

Ich liebe es, innere Arbeit mit kleinen Ritualen zu verbinden, weil es für mich dadurch nochmal viel greifbarer wird. Gerade im Herbst bietet sich dafür ein Spaziergang in der Natur wunderschön an.

Vielleicht machst du es bei deinem nächsten Herbstspaziergang einmal wie ich und suchst dir ganz intuitiv ein Blatt aus, das dich anspricht. Nimm es mit nach Hause, schnapp dir dein Journal und frage dich ganz ehrlich:

Schreib alles auf, was gerade da ist. Ohne lange darüber nachzudenken und ohne deine Gedanken zu bewerten. Anschließend kannst du dein Herbstblatt wieder mit nach draußen nehmen und es ganz bewusst zurück in die Natur geben.

Für mich liegt genau darin etwas Magisches: Ich mache mir nicht nur gedanklich bewusst, was ich loslassen möchte, sondern verbinde meine Entscheidung mit einem kleinen Ritual. Nicht mit dem Anspruch, dass danach plötzlich alles weg sein muss, sondern als liebevolle Erinnerung an mich selbst: Ich darf loslassen und Platz für Neues schaffen.


Q&A übers Loslassen

Was bedeutet Loslassen wirklich?

Loslassen bedeutet nicht automatisch vergessen oder verdrängen. Vielmehr kann es bedeuten, eine Situation anzunehmen und bewusst zu entscheiden, dass sie nicht mehr so viel Raum in deinem heutigen Leben einnehmen soll.

Wie kann ich Loslassen lernen?

Beginne damit, wahrzunehmen, woran du festhältst und warum. Journaling, Reflexion, bewusste Ruhephasen und kleine Rituale können dir dabei helfen, deine Gedanken und Gefühle besser zu verstehen. Dabei darf Loslassen ein Prozess sein und muss nicht von heute auf morgen passieren.

Warum fällt Loslassen manchmal so schwer?

Weil hinter dem Festhalten häufig mehr steckt als die Situation selbst. Es können Wünsche, Erwartungen, Hoffnungen oder das Bedürfnis nach Sicherheit damit verbunden sein. Deshalb kann es hilfreich sein, nicht nur zu fragen, was du loslassen möchtest, sondern auch, warum du bisher daran festgehalten hast.

Warum passt Loslassen so gut zum Herbst?

Der Herbst macht Veränderung sichtbar. Die Natur zieht sich zurück, Bäume verlieren ihre Blätter und gleichzeitig wissen wir, dass im Frühling wieder Neues entstehen wird. Dadurch kann der Herbst eine wunderschöne Zeit sein, um selbst innezuhalten und zu reflektieren, was bleiben und was gehen darf.


Im Laufe unseres Lebens sammeln wir so vieles. Erfahrungen, Erinnerungen, Erwartungen, alte Geschichten und Vorstellungen davon, wer wir sein sollten oder wie unser Leben eigentlich aussehen müsste. Manche davon begleiten uns über Jahre, obwohl wir längst nicht mehr die Person sind, die wir damals waren.

Doch du musst nicht alles, was einmal zu dir gehört hat, für immer mit dir weitertragen.

Vielleicht ist genau das die wunderschöne Botschaft, die uns der Herbst jedes Jahr aufs Neue mitgibt: Loslassen bedeutet nicht, dass etwas umsonst war. Manche Menschen, Erfahrungen, Wünsche oder Versionen von uns selbst waren wichtig für unseren Weg. Sie haben uns geprägt, uns etwas gezeigt und uns vielleicht sogar genau dorthin gebracht, wo wir heute stehen. Und trotzdem dürfen wir uns dafür entscheiden, sie nicht länger festzuhalten.

Schau dir die Natur an. Sie lässt los, ohne schon sehen zu können, was im Frühling neu erblühen wird. Vielleicht dürfen auch wir ein kleines bisschen mehr darauf vertrauen, dass nicht jede Lücke sofort gefüllt und nicht jeder nächste Schritt schon heute feststehen muss.

Du musst also noch nicht wissen, was danach kommt. Vielleicht reicht für heute diese eine Frage:

Nimm dir dein Journal, schreib auf, was gerade in dir ist und gib dir die Zeit, die du dafür brauchst. Loslassen beginnt mit einem ehrlichen Gedanken. Einer Erkenntnis. Einer Entscheidung für dich.

Denn vielleicht entsteht genau dort, wo du aufhörst, etwas krampfhaft festzuhalten, wieder ein bisschen mehr Raum. Raum für dich. Für neue Wünsche. Für neue Wege. Und für all das, was vielleicht schon darauf wartet, in deinem Leben wieder erblühen zu dürfen. 🍂

Glow up from within,

Deine Tatjana

Hinweis:

Dieser Artikel dient lediglich der Information und persönlichen Reflexion. Er ersetzt keine ärztliche, psychotherapeutische oder heilkundliche Beratung oder Behandlung. Wenn du das Gefühl hast, dass deine Belastung sehr groß ist oder du alleine nicht mehr weiterkommst, scheue dich bitte nicht, dir professionelle Unterstützung zu holen. Bei akutem Bedarf oder wenn du nicht mehr sicher bist, wende dich bitte sofort an den ärztlichen Bereitschaftsdienst, eine Notaufnahme oder die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222.

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